Die Wechselkröte (Bufotes viridis) ist Lurch des Jahres 2022

Amphibien im Camouflage-Look: Die DGHT hat die Wechselkröte (Bufotes viridis) zum „Lurch des Jahres 2022“ erklärt

Lesen Sie hier die Pressemitteilung vom 27.11.2021: Hier klicken.

Ihr beige-grün geflecktes Tarnmuster mit rötlichen Knubbeln und grünlichen Augen macht die Wechselkröte (Bufotes viridis) zum unverwechselbaren Sympathieträger unter den einheimischen Amphibien. Die seltene und in Deutschland durch Lebensraumverluste stark gefährdete Art wurde zum Lurch des Jahres 2022 gekürt, wie die Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT e. V.) bekannt gab.

Wechselkrötenpaar im Amplexus im Laichgewässer. Foto: Trapp/DGHT

„Eigentlich sollten die bei uns streng geschützten Froschlurche ihre Auszeichnung bereits im vergangenen Jahr erhalten“, erläutert DGHT-Geschäftsführer Dr. Axel Kwet die Wahl. „Geplant war die Wechselkröte in der turnusgemäßen Abfolge unserer einheimischen Kriechtiere als Art des Jahres 2021“, so der Biologe. Doch ein Corona-Jahr mit ausgefallenen Tagungen, Exkursionen und Schutzmaßnahmen rund um das Reptil des Jahres 2020 hat in die Verlängerung geführt: Die Zauneidechse wurde zum doppelten Reptil der Jahre 2020/2021, die Wechselkröte nun zum Lurch des Jahres 2022.

Tatsächlich hat die 6 bis 8 Zentimeter lange Wechselkröte Schutz bitter nötig, denn mit ihrer kontrastreich gefleckten Färbung zählt sie zu den attraktivsten, aufgrund drastischer Bestandsrückgänge aber auch zu den am stärksten bedrohten Amphibienarten Deutschlands. Ihr Name rührt vermutlich von der wechselhaften Fleckung oder der Fähigkeit her, die Grundfärbung je nach Untergrund abzudunkeln oder aufzuhellen. Vielleicht hat er aber auch mit dem wechselhaften Lebensraum der wärmeliebenden Art in Kiesgruben, Tagebauen und Steinbrüchen zu tun.

Rufendes Wechselkröten-Männchen. Foto: Trapp/DGHT

„In den vergangenen Jahren hat sich bei der Wechselkröte eine deutliche Verschlechterung der Bestandssituation gezeigt“, erklärt Arno Geiger, Sprecher der federführenden AG Feldherpetologie und Artenschutz der DGHT. Gegenüber der letzten Roten Liste Deutschlands, wo die Art 2009 noch in der Kategorie 3 (gefährdet und mäßig häufig) eingestuft war, ergibt sich in der aktuellen Liste 2020 bereits die Gefährdungsstufe 2 (stark gefährdet und selten). Auch in den regionalen Roten Listen aller 16 deutschen Bundesländer wird die Wechselkröte als gefährdet, stark gefährdet, vom Aussterben bedroht (1) oder gar als ausgestorben (0) geführt; dies gilt ebenso für Österreich (gefährdet) und die Schweiz (ausgestorben).

Zu den Hauptursachen der seit Jahrzehnten anhaltenden Bestandsrückgänge in Mitteleuropa gehören der Wandel in der Landnutzung durch die zunehmend industrialisierte Landwirtschaft mit drastischen Biotopverlusten und Zerschneidung der verbliebenen Vorkommen. Die Wechselkröte ist eine sogenannte Pionierart, deren ursprüngliche Lebensräume in Mitteleuropa, wie dynamische Flussauen, kaum mehr vorhanden sind. Rückzugsgebiete findet die Art heute vor allem in Abgrabungen oder Abbauflächen, weshalb das Verfüllen von Sand- und Kiesgruben oder Veränderungen in der Tagebaunutzung zu den wichtigsten Gefährdungsfaktoren gehören.

Wechselkröten laichen meist in vegetationslosen, temporären Gewässern wie in diesem künstlich geschaffenen Gewässer. Foto: Pogoda

„Eigentlich ist die Wechselkröte eine Kulturfolgerin, die lange Zeit sogar vom Menschen profitiert hat“, sagen die beiden Herpetologen und Amphibienschützer, „aber heute bereiten ihr die Lebensraumverluste große Probleme.“ Allgemein bedroht sind Amphibien, die in Deutschland zu den Tiergruppen mit dem höchsten Anteil gefährdeter Arten zählen (10 von 20 Arten), auch durch Gift- und Düngereintrag, Fischbesatz oder eine fehlende Nahrungsgrundlage durch den Insektenrückgang.

Weitere Informationen

Die Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde e. V. (DGHT) ist mit über 5.000 Mitgliedern die weltweit größte Vereinigung, die sich für die Erforschung von Amphibien und Reptilien (Herpetologie), deren sachkundige Haltung und Nachzucht sowie den Arten- und Naturschutz einsetzt. Infos auf www.dght.de; www.feldherpetologie.de. Seit 2006 gibt die AG Feldherpetologie und Artenschutz der DGHT regelmäßig im Wechsel ein Reptil bzw. einen Lurch (Amphib) des Jahres bekannt. Mit dieser Wahl wird auf die Gefährdung der einheimischen Kriechtierfauna aufmerksam gemacht. Die Aktion „Reptil/Lurch des Jahres“ wird unterstützt von den langjährigen Kooperationspartnern NABU, Österreichische Gesellschaft für Herpetologie (ÖGH), Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz in der Schweiz (info fauna karch) und Nationales Naturhistorisches Museum Luxemburg (MNHN).

Ausführliche Informationen zur Wechselkröte erhalten Sie bei der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde e.V. (DGHT) und ihrer AG Feldherpetologie und Artenschutz (www.dght.de; www.feldherpetologie.de).
Eine 44-seitige Informationsbroschüre zur Art des Jahres 2022, eine Kinderbroschüre, ein Flyer sowie ein DIN-A2-Poster stehen als PDF zum kostenlosen Download auf der Internetseite der DGHT (www.dght.de/presse) bereit. Das gedruckte Material (s. unten) kann gegen eine Kostenerstattung in Höhe von 5,- € auch bei der DGHT-Geschäftsstelle (E-Mail an: gs@dght.de) bestellt werden.

Partner und offizielle Unterstützer der Aktion „Lurch des Jahres 2022“ sind die Hauptsponsoren Tiergarten Nürnberg, Tiergarten Schönbrunn in Wien, sowie als weiterer Unterstützer die Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft MIBRAG.

Folgende Materialien sind als Print und Download verfügbar:

Broschüre
Flyer
Kinderbroschüre
Poster

Bildmaterial

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