Selbst aktiv werden

Sie sind fasziniert von den possierlichen Tierchen unserer Herpetofauna und möchten etwas zum Erhalt und zum Schutz dieser Tiere beitragen? Jeder kann etwas für den Artenschutz tun! Ob als Gruppe oder Einzelperson im privaten Bereich, an Schulen und Kindergärten oder im beruflichen Naturschutz. Im Folgenden finden Sie einige Hinweise, wie Sie zum Schutz unserer heimischen Herpetofauna beitragen können:

Als aktiver Helfer können Sie sich durch ihre Mitgliedschaft in Naturschutzverbänden (u.a. NABU, BUND, DGHT) engagieren. Oft­mals wird an manchen Orten auch in der lokalen Presse darüber berichtet. Hier können Sie z. B. bei den Kreis- und Ortsgruppen, die Ihrem Wohnort zugeordnet sind, nach­fragen, ob nicht entsprechende Schutzbemühungen schon stattfinden, bei denen Sie tatkräftig mitmachen könnten, sei es als Helfer zur praktischen Umsetzung von Maßnahmen oder durch finanzielle Unterstützung dieser Gruppen.

Bitte keine eigenmächtigen Aktionen!
DGHT, karch und ÖGH möchten an dieser Stelle ausdrücklich darauf hinweisen, dass das ei­genmächtige Aussetzen von Amphibien oder Reptilien – ob als Umsiedlung oder aus Terrarien­nachzuchten – ohne wissenschaftliche und behördliche Begleitung absolut keine sinnvolle oder erwünschte Naturschutzmaßnahme ist. Solche Aktionen sind nicht nur illegal, sondern auch aus Sicht des Arten- und Tierschutzes abzulehnen und aus biologischer Sicht sogar gefährlich. Wir appellieren daher eindringlich an die Eigenverantwortung der Terra­rianer und „privaten Naturschützer“. Wer sich für den Schutz der einheimischen Herpetofauna engagieren möchte, möge sich bitte unbedingt mit den zuständigen Naturschutzbehörden in Verbindung setzen.

Als Eigentümer oder Pächter geeigneter Flächen können Sie sich mit Naturschutzgruppen, die in ihrer Nähe aktiv sind, in Verbindung setzen und Maßnahmen (z. B. Kleingewässeranlagen) auf Ihrem Grund und Boden durchführen lassen. Heckenerhalt oder ggf. Heckenneubegründung sowie Erhalt und ggf. Neuanlage strukturreicher Waldränder und anderer Saumbiotope sind ebenfalls wichtige Beiträge auf privaten oder öffentlichen Grundstücken. Auch das Zurückschneiden von sukzessionsbedingtem Gehölzaufwuchs auf ausgewählten Flächen, speziell an den Ruf- und Laichgewässern von Amphibien, ist wichtig. Hier kann allein durch das Freischneiden hoch gewachsener Bäume oder das Gewässer beschattender Sträucher an den Südufern wieder die nötige Sonneneinstrahlung stattfinden, die ein sommerwarmes Gewässer auszeichnet. Aber auch durch Verpachtung von geeigneten Flächen an aktive Naturschutzgruppen und durch Zulassen der erwähnten Schutzmaß­nahmen helfen Sie dem Naturschutz weiter.

Als Fischer und Angler könnten Sie in den oft angepachteten Grundstücken, in denen sich Ihr Vereinsgewässer befindet, weitere kleine, möglichst flache und sonnenbeschie­nene Gewässer für Amphibien anlegen Selbstverständlich sollten Fischaussetzungen dort unterbleiben. Dies gilt generell aber auch für andere kleine Tümpel, Teiche und Weiher in der freien Feldflur oder in Abgrabungsgewässern. Hier sollte nicht der Mensch, sondern die Natur den Vorrang haben.

Als Kartierer und Melder von Fundorten haben Sie eine einfache Art des Mitmachens ist die Nennung von Fundorten von Tieren an die Naturschutzvereine bzw. an die landesweit tätigen Arbeitsgemeinschaften, die sich der Kartierung der Lurch- und Kriechtiervorkommen in ihrem Lande widmen. Oft sind nicht alle Amphibienvorkommen bekannt, und durch die einfache Mitteilung über den Fund eines Laubfrosches in der „Hecke am Südrand der Ortschaft xy“ oder das „Verhören“ eines Froschkonzertes am „Gewässer bei dem Hof von Bauer yz in der Gemeinde yy“ können solche Informationen sehr wertvoll und hilfreich sein. Neben regional tätigen Arbeitsgemeinschaften können Sie sich auch mit der Unteren-Naturschutzbehörde Ihres Bundeslandes in Verbindung setzen.

Als Multiplikator können Sie jederzeit Freunde und Bekannte über die wunderbare Vielfalt unserer Herpetofauna und deren Schutzbedarf informieren und begeistern. Vor allem für die jüngere Generation ist Umweltbildung und daraus resultierend Umweltbewusstsein entscheidend für die Zukunft.

Im eigenen Garten ermöglichen Sie durch Anlage eines Naturgartens mit vielen blü­henden Stauden ein reichhaltiges Insektenleben, welches als Nahrungsquelle von Amphibien und Reptilien genutzt wird. Häufig befinden sich in diesen Naturgärten auch kleine Gartenteiche, die als Froschgewässer verschiedene Funktionen erfüllen können, vorausgesetzt sie sind fischfrei. In alten und efeubewachsenen Garten­mauern sind schon Wohnquartiere von Fröschen oder Reptilien bekannt geworden, ebenfalls in alten Gartenhecken, die z. B. aus Buchen oder anderen laubabwerfenden Gehölzen bestehen.
Schön illustrierte Vorschläge für die vor allem Eidechsenfreundliche Gartengestaltung bietet das Buch „Ein Garten für Eichdechsen“ von Wolf Richard Günzel. Weitere Informationen darüber und die Möglichkeit zur Bestellung finden Sie hier (einfach auf den Link klicken).

Das große Naturexperiment Gartenteich
An dieser Stelle muss der Folienteich im Garten Erwähnung finden. Er kommt in vielen Merkmalen den natürlichen Kleinstgewässern sehr nahe und wird u.a. vom Teichmolch beinahe von selbst besiedelt. Hier beginnt auch das eigene Engagement der Naturfreunde im Garten, denn man sollte auf Fische aller Art – und ganz besonders auf die beliebten Goldfische – verzichten! Dafür kann man das heimische Leben im Tümpel später hautnah beobachten: neben den Teichmolchen im Frühjahr z. B. viele Wasserinsekten (Wasserkäfer, Wasserläufer), Weichtiere (Schnecken, Muscheln) und anfliegende Insekten wie Libellen.
Das große Naturexperiment Gartenteich ist nur erfolgreich, wenn man auch entsprechende Sommer- und Winterlebensräume zur Verfügung stellt. Dabei muss der Gartenfreund nicht einmal auf seinen englischen Rasen oder den Lattenrost auf der Teichterrasse verzichten. Das kann ein beschatteter Lesesteinhaufen sein, eine Heckenreihe mit Laubstreu und Fallholz dazwischen oder einfach der Wirtschaftsteil eines Gartens, in dem Materialien liegen und Kompost bearbeitet wird. Meist finden sich hier auch im Winter viele frostfreie Verstecke für die Gartentiere.

Amphibien-, Reptilien- und Kleintierschutz an Straßen

Sogenannte Amphibien- oder Kleintierleitanlagen sind keine Tunnel unter den Straßen, die den Tieren die Wanderung zwischen verschiedenen Lebensräumen ermöglichen, ohne sie dem Straßentod auszusetzen. Eine Ausführliche Beschreibung verschiedener Ansätze wurde mit dem Lurch des Jahres 2012, der Erdkröte, erarbeitet: lesen Sie mehr