Reptil des Jahres 2017: Die Blindschleiche

Nov 22, 2016 by     Posted under: Reptil des Jahres 2017: Die Blindschleiche
Reptil des Jahres 2017: Die Blindschleiche. Foto: A. Kwet

Reptil des Jahres 2017: Die Blindschleiche. Foto: A. Kwet

Die beinlosen Echsen, die trotz Namen und Aussehen weder blind noch Schlangen sind, zählen zu den häufigsten Kriechtieren unserer Heimat und sind in weiten Teilen Mitteleuropas fast flächendeckend verbreitet. Die verbliebenen Lebensräume unserer Kulturlandschaft besiedelt die Blindschleiche in relativ gesunden Beständen – so scheint es zumindest, denn unter allen einheimischen Reptilien ist sie tatsächlich die Art, deren Biologie am wenigsten erforscht ist. Auch Kenntnisse über ihre natürlichen Populationsgrößen und -dichten sowie die lokalen Bestandsentwicklungen, die für den langfristigen Schutz zwingend nötig sind, liegen für die Blindschleiche kaum vor. Anders als ihre entfernten Verwandten, die Eidechsen, leben Blindschleichen überwiegend im Verborgenen und lassen sich nur selten einmal an sonnenexponierter Stelle am Wegesrand beobachten. Viel häufiger zeugen auf Straßen überfahrene Individuen von dieser heimlichen Art, und in Siedlungsnähe werden Blindschleichen oft auch die Opfer von Mäharbeiten oder streunenden Hauskatzen. Durch die Wahl der Blindschleiche zum „Reptil des Jahres 2017“ wollen wir auf diese harmlose, nur vermeintlich gut bekannte Echsenart aufmerksam machen und mit der vorliegenden Broschüre einen breiten Leserkreis informieren und sensibilisieren. Die Blindschleiche gilt in den meisten Gebieten Deutschlands, Österreichs, der Schweiz und Luxemburgs als nicht unmittelbar gefährdet; sie ist aber wie alle einheimischen Reptilienarten „besonders geschützt“ und vom fortschreitenden Verlust ihres Lebensraums bedroht, vor allem durch anhaltenden Siedlungs- und Straßenbau. Dabei sind Blindschleichen erstaunlich anpassungsfähig und in ihren Habitatansprüchen flexibel. Der „Hartwurm“, wie die Art vor 200 Jahren auch treffend genannt wurde, besiedelt ein breites Spektrum an unterschiedlichsten Lebensräumen.

Der Name trügt: Blind ist Anguis fragilis keineswegs – wie alle Echsen kann die Blindschleiche sehen und die Augen mittels Augenlid schließen. Foto: B. Trapp

Der Name trügt: Blind ist Anguis fragilis keineswegs – wie alle Echsen kann die Blindschleiche sehen und die Augen mittels Augenlid schließen. Foto: B. Trapp

Selbst in Großstädten sind Blindschleichen auf Brachflächen, Friedhöfen oder in naturnahen Gärten und Parkanlagen anzutreffen. Und auch jeder Gartenbesitzer kann zum Schutz der Blindschleiche beitragen: durch den Verzicht auf Pflanzenschutzmittel und Insektengifte, durch das Zulassen wilder Ecken mit vielfältigen Kleinstrukturen im Garten, mit einem Mosaik an mikroklimatisch geeigneten Lebensräumen, zum Beispiel unter Baumstubben, dichtem Gehölz und Holzplanken oder in locker geschichteten Stein-, Laub- und Komposthaufen.

Textautor: Dr. Axel Kwet – Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde

 

 

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