Die Mauereidechse: Reptil des Jahres 2011

Feb 6, 2011 by     Posted under: Reptil des Jahres 2011: Die Mauereidechse
Die Mauereidechse: Das Reptil des Jahres 2011

Die Mauereidechse: Das Reptil des Jahres 2011; Foto: A. Nöllert

Die Mauereidechse ist das „Reptil des Jahres 2011“ – also keine plakative Art wie die leuchtend grüne Smaragdeidechse, mit der sie oft zusammen vorkommt, sondern ein dezent in Braun gehaltenes Reptil. Eine sonnenliebende Echse, die unsere Weinberge belebt – und bei uns dennoch ein Schattendasein führt. Eine wenig bekannte Art, die aber glücklicherweise noch nicht vor dem Aussterben steht, wie manch anderes einheimische Kriechtier. Im Gegenteil: Die Mauereidechse verdankt ihre heutige Verbreitung dem Menschen, denn die Römer und der entlang des Rheins nach Norden expandierende Weinbau waren es, welche die Art immer weiter vordringen ließen. Das Reptil „im Schlepptau des Menschen“ hat vielerorts von menschlichen Aktivitäten profitiert und konnte sich auch in neuerer Zeit über Bahntrassen ausbreiten. Andererseits hat die Mauereidechse dafür ihre natürlichen Lebensräume an naturnahen Flüssen mit Schotterbänken und Blockhalden oder in trockenwarmen, lichten Laubwäldern größtenteils verloren. Die individuenstärksten Populationen dieser Art in Deutschland finden sich heute in Weinbergen und auf Bahngelände im warmen Südwesten des Landes. Doch läuft die Mauereidechse nun Gefahr, in diesen menschengemachten Lebensräumen wieder Boden zu verlieren: durch Modernisierung des Weinbaus, den Abriss vieler Trockenmauern und Bauprojekte auf stillgelegten Bahnhöfen und Gleisanlagen – und diesmal ohne die Möglichkeit, sich andere Lebensräume zu erschließen. Die Zukunftsaussichten der Art in Deutschland sind also nicht rosig. Auf der anderen Seite wurden Mauereidechsen vielfach auch außerhalb ihres ursprünglichen Artareals ausgesetzt, sodass heute – aus naturschutzfachlicher Sicht bedenklich – an vielen Stellen Deutschlands aus Südeuropa eingeschleppte Populationen existieren. Wie immer entstand diese Broschüre in enger Zusammenarbeit mit der Österreichischen Gesellschaft für Herpetologie (ÖGH) und der Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz in der Schweiz (karch), die länderspezifische Informationen für die beiden Nachbarländer beisteuerten. Nach der Waldeidechse, die 2006 zum ersten „Reptil des Jahres“ gekürt wurde, haben wir uns nun also erneut für eine äußerlich eher unauffällige Eidechse entschieden. Dennoch: Unter den einheimischen Reptilien ist die „Mauer-Eidechse“ alles andere als ein „Mauer-Blümchen“. Und sie hat unseren Schutz nötig – dringender denn je!

Autor: Dr. Axel Kwet (Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde, Geschäftsbereich Feldherpetologie/Naturschutz)

Textquelle: Aktionsbroschüre 2011: Die Mauereidechse (download)

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