Forschungsförderung: Der Hans-Schiemenz Fonds

Die Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde e. V. (DGHT) fördert verschiedene natur- und artenschutzbezogene Forschungsprojekte sowie praktische Schutz und Pflegemaßnahmen an Amphibien und Reptilien. Durch Publikationen in „Salamandra“, „Mertensiella“ und „elaphe“ sowie durch Vorträge auf DGHT-Tagungen werden diese geförderten Projekte bekannt gemacht.

Zielsetzung

  1. Die DGHT errichtet zur Unterstützung der herpetologischen Feldforschung und sich daraus ergebender praktischer Maßnahmen in Zusammenhang mit Amphibien und Reptilien den „Hans-Schiemenz-Fonds“ für den Arten-, Natur- und Umweltschutz.
  2. Der „Hans-Schiemenz-Fonds“ dient vor allem den Zielen des Natur- und Artenschutzes. Durch den „Hans-Schiemenz-Fonds“ werden nur Forschungsprojekte gefördert, die diese Ziele eindeutig zum Inhalt haben und deren Verwirklichung dienen. Dies sind:
    a) feldherpetologische Forschungsarbeiten, die zu neuen Erkenntnissen führen, oder
    b) praktische Schutz-, Pflege- und Stützungsmaßnahmen, die Beispielcharakter hinsichtlich der Durchführung ähnlicher Projekte in der Zukunft aufweisen.

Die jährliche Auswahl zu fördernder Projekte wird vornehmlich von renommierten Mitgliedern der DGHT-AG Feldherpetologie und Artenschutz durchgeführt.

Zu den geförderten Projekten:

Alle Projekte wurden in der DGHT-Mitgliederzeitschrift elaphe veröffentlicht und können dort nachgelesen werden.

Vergaberichtlinien:  Kommissionsordnung (download)

 

Über Hans Schiemenz

Hans Schiemenz (1920 – 1990)

Hans Schiemenz (1920 – 1990)

Die jüngere Erfassung der einheimischen Herpetofauna in Ostdeutschland, der früheren DDR, ist auf das Engste mit dem Namen Hans Schiemenz verbunden.
Hans Schiemenz wurde am 24. Februar 1920 in Dresden geboren. Er gehörte zu jener Generation, die von der Schule weg in den Krieg geschickt wurde. Hans Schie­menz blieb das nicht erspart, aber er hatte Glück im Unglück: 1944 wurde er nach einer schweren Verwundung als Schwerbeschädigter entlassen und konnte im sel­ben Jahr an der Technischen Hochschule Dresden das Biologie-Studium auf­nehmen. Er unterbrach sein Studium einmal für zwei Semester, um an der Forstakademie Tharandt (die heute zur Technischen Universität Dresden gehört) Forst­­wissenschaften zu studieren. 1950 legte er das Biologie-Diplom in Dresden mit einer Studie über den Farbwechsel der Wanzen-Gattung Palomena ab. Das war kein auferlegtes Pflichtthema. Hans Schiemenz hatte tiefes Interesse an den Insekten gefunden. In seiner dreijährigen Assistenten-Zeit in Dresden war es ebenfalls For­schungsarbeit in der Entomologie, die ihn faszinierte. Von 1953 bis 1959 war Schiemenz als Kustos eines entomologischen Bereiches am Zoologischen Museum der Humboldt-Universität Berlin tätig. In diese Zeit fällt 1957 auch seine Promotion, natürlich mit einer entomologischen Arbeit, die von den Professoren Kaestner, Peus und Hennig betreut wurde. Schiemenz war, trotz seiner schweren Gehbehinderung, kein Studierstuben-Hocker, sondern häufig mit dem Mo­tor­rad (!!) in der heimatlichen Natur auf Exkursion. Hier lernte er die Einordnung der Tiere in die Strukturen ihrer Lebensräume kennen. Selbstverständlich eignete er sich dabei hervorragende Kenntnisse nicht nur aller anderen Tiere außer „seinen“ Insekten an, sondern wurde auch zum profunden Kenner der Pflanzenwelt. 1959 wurde er Mitarbeiter des „Institutes für Landschaftsforschung und Naturschutz Halle“, dessen Dresdener Arbeitsstelle er leiten sollte. Bis zu seiner Pensionierung 1985 blieb er auf diesem Arbeitsplatz. Schiemenz bearbeitete dort jahrelang Insektenfaunen auf naturgeschützten Standorten, vor allem auf Trockenrasen, Heiden und ähnlichen Habitaten. Sein besonderes Interesse galt dabei den Libellen, Zikaden und Heuschrecken. Mit einer Arbeit über Zikaden auf Trockenrasen und ihrer Bedeutung als Anzeiger des Zustandes dieser Lebensräume absolvierte er 1967 auch seine Habilitation an der Martin-Luther-Universität Halle.
Schiemenz publizierte bereits 1953 ein populärwissenschaftliches Buch über „Die Libellen unserer Heimat“. In zahlreichen Aufsätzen und Beiträgen zu Bestimmungsbüchern, Werken über Naturschutzgebiete und anderes tritt Hans Schiemenz immer durch seine gründliche, exakte Darstellung in Erscheinung, die trotzdem sehr gut verständlich ist.
Auf seinen Exkursionen gab es natürlich ständig Begegnungen auch mit Lurchen und Kriechtieren. In Heidegebieten und auf Trockenrasen im Erzgebirge war es vor allem die Kreuzotter, die ihn in den Bann zog. Schiemenz pflegte und züchtete über Jahrzehnte Kreuzottern auch im soliden Freiluft-Terrarium mit Zusatzheizung auf dem Balkon seiner städtischen Wohnung. Das beste Ergebnis seiner „Schlangenliebschaft“ war 1985 das Brehm-Bücherei-Bändchen „Die Kreuzotter“. Schiemenz war von Anfang an mit zahlreichen Freizeit-Forschern in engem Kontakt. Meist lernte er diese Leute bei Exkursionen kennen. Das waren nicht nur Amateur-Entomologen, sondern bald auch die Freiland-Herpetologen, mit denen er immer wieder zusammentraf. Da alle derartigen Amateure sich in der DDR nur im „Kulturbund“ zu Fachvereinen zusammenfinden konnten, war Hans Schiemenz dort bald ebenfalls „bekannt wie ein bunter Hund“. Bereits 1978 wurde Schiemenz Leiter des „Zentralen Fachausschusses Feldherpetologie“ im Kulturbund. Man begann dort, planmäßig den Bestand der einheimischen Amphibien und Reptilien zu erfassen.
Schiemenz konnte bei der Kartierung der Fundpunkte nicht nur auf seine Erfahrungen mit der Erfassung der Zikaden-Fauna (1963-1966) zurückgreifen, sondern geschickt auch die organisatorischen Möglichkeiten seines Institutes mit für diese großartige Gemeinschaftsarbeit einsetzen. Die Ergebnisse sollten in einem Buch über die Herpetofauna der DDR veröffentlicht werden. Wesentlicher Mitarbeiter von Hans Schiemenz für dieses Projekt war Dr. Rainer Günther, der Herpetologe am Berliner Museum.
Inzwischen veränderte sich die Situation. Mit der Wende 1989/90 war eine „Herpetofauna der DDR“ nicht mehr aktuell, sondern endlich stand auch für die Zoologen wieder „Deutschland“ als größeres Bearbeitungsfeld offen. Zum anderen aber erkrankte Hans Schiemenz schwer an Lungenkrebs. Er kämpfte tapfer gegen die Krankheit, arbeitete buchstäblich bis einige Tage vor seinem Tode an der 3. Auflage seines Brehm-Bändchens über die Kreuzotter. Am 27. Dezember 1990 hatte er aber diesen Kampf gegen Tod und Zeit endgültig verloren. 1994 konnte endlich „mitten in Deutschland“ vier Jahre nach seinem Tode doch noch „sein“ „Verbreitungsatlas der Reptilien und Amphibien Ostdeutschlands“ erscheinen, herausgegeben zusammen mit Rainer Günther.  Hans Schiemenz war in der vielfältigen herpetologischen Szene im Osten Deutschlands eine der markantesten Persönlichkeiten, die sich große Verdienste um die gesamte heimische Flora und Fauna, zugleich aber auch um die Menschen erworben hat, die genauso begeistert und begeisternd wie er selbst für die Erforschung und Erhaltung der Natur eintraten.
Autor: Fritz Jürgen Obst